
Das Johari-Fenster im SCM
Das Johari-Fenster im SCM

Machen Sie Liefertreue sichtbar.
Manchmal lohnt es sich, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Das Johari-Fenster ist ein Werkzeug zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, aber wussten Sie, dass es auch im Supply-Chain-Management angewandt werden kann?
Erfahren Sie, wie wir mit diesem Tool die Wahrnehmung zur Liefertreue sichtbar machen.
Liefertreue im Blindflug: der Anwendungsfall
Der Kunde: Ein internationaler Anbieter von Maschinenkomponenten.
Lieferverzögerungen waren an der Tagesordnung.
Natürlich belastete das die Beziehungen zu den Kunden über Gebühr.
Die große Frage: Warum passiert das immer wieder?
Zur Problemlösung setzten wir das Johari-Fenster in einem internen Workshop ein.
So konnten wir die Wahrnehmung der Liefertermintreue innerhalb der Abteilungen und zwischen den Zulieferern zu klären.
Primärziel war es, ein besseres Verständnis darüber zu entwickeln, warum es immer wieder zu Lieferverzögerungen kommt – und dagegenzuhalten.
Als Nebenprodukt konnte aufgezeigt werden, wie fokussierte Kommunikation und Zusammenarbeit in der Lieferkette die Liefertermintreue verbessert.
Phase 1: Hintergründe verstehen
Sie kennen das Johari-Fenster ist ein Modell zur Selbsterkenntnis und zwischenmenschlichen Kommunikation. Es zeigt, welche Informationen über eine Person bekannt sind – sowohl ihr selbst als auch anderen – und wo blinde Flecken oder ungenutztes Potenzial liegen.
Innerhalb des Johari-Fensters gibt es vier Zonen:
- Die Arena (offene Zone): Dies sind Informationen, die sowohl die Person selbst als auch ihr Umfeld kennen.
- Die Fassade (verborgene Zone): Hierbei handelt es sich um Dinge, die die Person weiß, aber bewusst oder unbewusst vor anderen verbirgt.
- Der blinde Fleck: Das sind Aspekte, die andere an einer Person wahrnehmen, die sie selbst aber nicht erkennt.
- Die unbekannte Zone: Das ist der Bereich, der weder der Person selbst noch ihrem Umfeld bewusst ist. (Noch)
Es ist sofort zu verstehen: Hier verbergen sich eine Menge ungenutzter Informationen! Machen Sie sich das gezielt zunutze, indem Sie diese Fakten zutage befördern.

Phase 2: Liefertermintreue unter der Lupe
Im Workshop wurden ausgewählte Aspekte der Liefertermintreue untersucht.
Jeder Bereich des Johari-Fensters wurde auf im Anschluss auf konkrete Situationen angewandt.
Dazu verwendeten wir einen speziell entwickelten Leitfaden und Fragenkatalog. Erste Ergebnisse sahen so aus:
Arena (offene Zone): Allen war klar, dass ungenaue Bestandsprognosen und verzögerte Materiallieferungen Probleme darstellten.
Fassade (verborgene Zone): Aha! Einige Mitarbeiter wussten, dass die Bestandszahlen unzuverlässig waren, aber behielten diese Information aus Angst vor Konsequenzen für sich.
Blinder Fleck: Niemand hatte die neue IT-Software als Engpass erkannt – bis auf die IT-Abteilung selbst. Die fehlende Schulung führte dazu, dass Produktionsmitarbeiter fehlerhafte Daten eingaben, wodurch falsche Materialanforderungen entstanden und sich die gesamten Lieferprozesse verzögerten.
Zudem wurden systembedingte Fehlermeldungen ignoriert, da die betroffenen Abteilungen nicht wussten, wie sie darauf reagieren sollten.
Unbekannte Zone: Hier entdeckten wir ein echtes Goldstück: unterschiedliche Prioritäten. Einkauf dachte an den Preis, Produktion an die Qualität.
Das führte zu Missverständnissen.
Im Grunde war das Leitbild des Betriebes nicht klar.
Man wusste kaum: es sollte immer nur ein Primärziel (Zeit/Kosten/Qualität) verfolgt werden, welchem sich die anderen Ziele unterordnen.
Phase 3: der Blick nach vorne

Eine Liste offener Punkte (LOP-Liste) mit Priorisierungen wurde übergeben.
Die Erkenntnis aus dem Workshop war eindeutig:
Ein Dashboard zeigt in Zukunft allen Abteilungen aktuelle Daten.
Offene Gespräche in geregelten Meetings ermutigen zum ehrlichen Austausch. Geregelt bedeutet auch: beschränkte Sprechzeit und Fokus auf die wichtigen Themen.
Und natürlich müssen Schulungen zum neuen IT-Programm frühzeitig erfolgen.
Kleiner Tipp am Rande: Innovationsworkshops helfen, neue Stolpersteine frühzeitig zu entdecken.
Am Ende des Workshops stand ein klarer Plan: Jeder wusste, welche nächsten Schritte notwendig waren. Verbindliche Verantwortlichkeiten wurden definiert und ein Regeltermin zur Erfolgskontrolle eingeführt.